PPWR 2026: Was die neue EU-Verpackungsabfallverordnung für deinen Online-Shop bedeutet
19. November 2025
Wenn es darum geht Produkte umweltfreundlich zu verpacken, stehen viele Händler/-innen vor einer kleinen Herausforderung, denn es ist noch ein Kunststück die Balance zwischen recyclefähigen oder wiederverwertbaren Verpackungsmaterialien und einen sicheren Transport zu finden.
Weiterhin aktualisiert die Europäische Kommission die Packaging and Package Waste Regulation (PPWR) häufig, sodass man nicht richtig weiß, was man nun jetzt noch befolgen soll.
Keine Sorge, wir erklären dir die neusten Regeln und geben dir Tipps zu alternative Verpackungsmaterialien, egal ob du deine Produkte direkt im Geschäft verkaufst oder im E-Shop versendest.
Index
- Was die Verpackungsverordnung beinhaltet
- Ziele für nachhaltige Verpackungen und Recycling bis 2040
- Ausnahmen der PPWR-Verordnung
- Was du 2026 für die Verpackungen deiner Produkte tun solltest
- Nachhaltiges Online-Shopping
- Wie kannst du deine Produkte nachhaltig verpacken?
- Checkliste für 2026
Was die Verpackungsverordnung beinhaltet
Die PPWR ist die Verpackungsabfallverordnung, die EU-weit gilt. Die europäische Verordnung vereinheitlicht Regelungen wie was verpackt wird, wenn es innerhalb von Europa und nach Europa versendet wird. Übrigens zählt hierzu ziemlich alles, von Verpackungen für Essen, Elektronik bis hin zu Baumaterialien.
Ihr Ziel ist es bis 2040 Müll von Grund auf zu reduzieren, zu vermeiden und eine Ökonomie zu schaffen, in der kontinuierlich wiederverwertet wird; die sogenannte Circular Economy.
Wer ist von der PPWR betroffen? Alle die Verpackungen auf den europäischen Markt zirkulieren von der Produktion, über den Vertrieb und Import bis hin zum Endnutzer.
Ziele für nachhaltige Verpackungen und Recycling bis 2040
Im Jahr 2023 verbrauchte jeder einzelne EU-Bürger 177,8kg Verpackung. Davon sind 35,3 kg pures Plastik. Verpackungen sollen klimaneutraler werden, indem das bei der Herstellung von Neukunststoffen verbundene CO2 verringert wird. Dies geht nur, indem Neukunststoffe nicht länger produziert, sondern recycelt oder durch andere Materialien ersetzt werden. Folgende Ziele und Maßnahmen sind für die kommenden 15 Jahre vorgesehen:
| Ziel | Maßnahmen |
| Verpackungen von Anfang an vermeiden | 5% minder Verpackungen bis 2030; 10% bis 2035; und 15% bis 2040; Wiederverwendung primärer Verpackungen, wie Container für Gastronomie und Transport z.B. müssen Takeway Unternehmen Kunden/Kundinnen anbieten ihre eigenen Behälter mitzubringen. Einzelverpackungen wie z.B. diese von Obst und Gemüse werden abgeschafft. |
| Recyclingquote bis 2030 auf 60% erhöhen | Bessere Mülltrennung, Verbesserte Sammlung von Wertstoffen, ebenfalls soll 25% der PET-Flaschen recyclebar sein. Recyclingquoten Länderweit angleichen, Deutschland und Österreich sind mit 66% und 59% Vorreiter. |
| Bis 2030 recycelbare Verpackungen | Alle Teile einer Verpackung muss aus Materialien bestehen, die wiederverwendet bzw. recycelt werden können. Hierbei hilft die Recycling Klassifikation A-C, die angibt, wie gut das Verpackungsmaterial in einem Kreislauf wiedergenutzt werden kann, z.B. von Plastikflasche zum Plastikgranulat zur Plastikflasche. |
| Klare Recycling-Kennzeichnung | Bis 2028 EU-weit einheitliches Piktogramm, welches angibt wie und ob eine Verpackung wiederverwertbar ist, oder ob diese durch ein Pfandsystem zurückgegeben werden muss. Die Kennzeichnung gibt auch an, aus welchen recycelten Materialien die Verpackung besteht. |
| Recycelte Kunstoffe | Minimum von 10% Recyclinganteil in allen Kunststoffen bis 2030; bis 2040 sollen es 60% sein. |
| Keine komplexen Verpackungen (teure Abfälle), die schwer zu recyceln sind | Verpackungsmaterialien müssen technisch sortierbar sein. Die Materialien müssen mit bestehenden Recyclingwegen angepasst und frei von störenden Elementen (bspw. Druckerfarbe in Patronen) sein. Keine viel-schichtiges Plastik. |
| <50% Regel | Kein nutzloser Leerraum. Keine doppelten Böden. Keine zusätzlichen Füllmaterialien wie Pellets. |
| Sichere Verpackungen ab 2026 | Hersteller, die nicht recycelbare oder umweltschädliche Materialien verwenden, müssen für die Reinigung derer bezahlen. Keine PFAS (Alkylsubstanzen) in Lebensmittelverpackungen. Kein BPA. |
| Recycling innerhalb der EU | Bis 2035 müssen 75% der Verpackungen innerhalb der EU recycelt werden. Einheitliche verpflichtende Entsorgungsstellen für Plastikflaschen. |
| Kompostierbarkeit | Erzeuger und Importeure müssen sicherstellen, dass folgende Verpackungen ab dem 12.02.2028 kompostierbar sind: Beutel sowie Einzelportionseinheiten für Kaffee, Tee und andere Getränke an Obst und Gemüse angebrachte Aufkleber. |
Ziele und Maßnahmen der Verpackungsverordnung. Quelle: Europäische Kommission, Plastics Europe und Eternety Systems.
Ausnahmen der PPWR-Verordnung
Ausgenommen von der PPWR sind folgende:
- Medizinprodukte und Arzneimittel
- Säuglings- und Kindernahrung -> Nein, nicht die Haribos 🍬
- Gefahrengüter, wie explosive und brennbare Stoffe, wie bestimmte Gase, und Flüssigkeiten aus dem Labor
- Kompostierbare Verpackungen, logisch, denn sie erfüllen bereits den umweltfreundlichen Zweck
- Microbusinesses
- Ware, die in Länder außerhalb der EU verkauft wird, da die Entsorgung der Verpackung Aufgabe des Ziellandes ist
Dem deutschen Verpackungsgesetz ausgenommen sind Mehrweg und Einweggetränke-Verpackungen.
Was gilt zuerst Länderrecht oder EU-Recht?
Es gilt grundsätzlich für den internationalen Markt, Handel, Umwelt und Verbraucherschutz das EU-Recht über den Länderrechten. Demnach haben Händler/-innen was Verpackungen und deren Entsorgung betrifft primär dem PPWR zu folgen.
Müssen Klein- und Micro-Unternehmen der PPWR folgen?
Ja, denn sie sind nie ganz davon ausgeschlossen, sondern erhalten im Fall minder strenge Regelungen. Kleinunternehmen müssen sich für diese “Begünstigung” bewerben. Die Option steht Unternehmen mit <10 Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen und einem gesamt jährlichen Umsatz von <2 Millionen Euro. Doch, selbst wenn diese Kriterien auf dich zutreffen, so bist du nicht von der Herstellerverantwortung, der sogenannten extended producer responsibility (ERP) ausgeschlossen.
Solltest du noch kein E-Commerce führen und deine Produkte im Geschäft verkaufen, so kannst du bei Webnode deinen Online-Shop kostenlos testen.
Was du 2026 für die Verpackungen deiner Produkte tun solltest
Hierauf solltest du bei der Verpackung deiner Produkte jetzt achten:
1. EPR Compliance-Erweiterte Herstellerverantwortung
Hersteller/-innen als auch Verkäufer/-innen sind für den gesamten Kreislauf den ihr/sein Produkt durchläuft verantwortlich, von der Herstellung, dem Verpacken und Versenden, bis das Produkt in den Händen der Kunden/Kundinnen liegt und dessen Verpackung entsprechend entsorgt ist, oder als Rücksendung wieder zurück an den/ die Händler/Händlerin gegeben wird.
Die EPR gilt der Verpackung, die diesen Kreislauf durchgeht. Natürlich reichen deine Herstellerpflichten mit Rückgaberechten und Garantien weiter. EPR-Verpflichten gelten ebenfalls, wenn deine Firma außerhalb von Europa registriert ist, du aber Produkte nach Europa lieferst.
Als Verkäufer/-in musst du:
- eine EPR-Nummer für dein Produkt beantragen
- die Menge, die du an Verpackungen hierfür benötigst, melden
- und Abgaben zahlen.
Verkaufst du innerhalb Deutschlands genügt dies über das LUCID Verpackungsregister.
2. Verpackungsanforderungen für Etiketten erfüllen
Momentan noch nicht eindeutig, wie das neue Verpackungslabel für die Recyclungsfähigkeit von Verpackungen aussehen soll. Es deutet sich allerdings an, das Frankreich ein Vorreiter einer Symbolik ist, die bildlich beschreibt wie Verpackungen zu trennen und zu entsorgen sind.

Triman Logo Beispiel
Achte am besten jetzt schon darauf, deine Verpackung entsprechend ähnlich zu kennzeichnen. Was ist, wenn das Label nicht mehr lesbar auf kleine Päckchen aufgeklebt werden muss? Dann gilt:
- 10 cm²: Sortierhinweise sind in der Gebrauchsanweisung oder einer App zu finden.
- 10–20 cm²: Die Verpackungskennzeichnung muss das Triman-Logo enthalten; weitere Details können in einer Broschüre zu finden sein.
- Über 20 cm²: Das Logo und die Sortierhinweise müssen direkt auf der Verpackung angebracht sein.
3. Wiederverwertbare Verpackungen bis 2030
In den folgenden 5 Jahren sollen nur noch Verpackungsmaterialien genutzt werden, dessen Anteile einfach so recycelt werden können, dass deren Materialien wiederverwertet werden können. Dies soll innerhalb eines geschlossenen Recyclingkreislaufes geschehen. Konkret heißt dies, dass Verpackungsmaterialien idealerweise nur aus einer einzigen Substanz bestehen.
Beispielsweise können PET-Flaschen leicht sortiert, gepresst, aufbereitet und als Granulat wiederverwertet werden. Sind diese allerdings noch weiter eingepackt, wie zum Beispiel einem glitzernden Alu-Label, und extra Pappkarton, so ist dies nicht mehr länger nur ein Kreislauf.

A bis C Recylingklassen und deren Beispiele (Quelle)
Wenn die Verpackung so designed ist, dass sein Label mit Logo und Beschriftung mehr als 50% des Objektes einnimmt, wie bei der HDPE-Flasche oben in der Infografik, so muss dieses Label, wenn es aus einem anderen Material als die Hauptverpackung ist, mechanisch extra sortiert werden. Dies senkt die Recyclungsfähigkeit automatisch auf Stufe B herab.
Was bedeutet dies für dich? Bleibe so gut es geht bei einem Material und nutze ein Verpackungsdesign, welches eine leichte Sortierung, Zerkleinerung und Verarbeitung zulassen. Bedeutet dies, dass endlich die lästigen Deckel die unbequem beim Trinken hin und her rutschen, wieder von der Flasche getrennt werden? 😉Eventuell, ja. Am besten ist nach wie vor die gute Papiertüte oder der Jute Beutel, aber dazu in Kürze.
4. Luftraumregelung
Du kennst das bestimmt auch: du machst freudig das Paket auf und darin versteckt sich unter viel Füllmaterial eine superkleine Plastikhülle für das, was du bestellst, hast. Ab Januar 2030 dürfen Verpackungen nur noch maximal 50% Leerraum enthalten. Leerraum ist der Bestandteil an Füllmaterial, welches sich zwischen Karton und Produkt befindet.
Die Idee dahinter ist, dass diese nicht mehr mit so viel Füllmaterial, wie Luftkissen, Luftpolsterfolie, Schaumstoff, Papierknüll, Styropor und Holzwolle eingenommen wird. Die Paketgröße verringert sich und mehr Pakete passen auf die Euro-Palette in den Container der weniger hin und her fahren muss.
Gibt es Ausnahmen? Ja, Produkte die geographisch geschützt sind, wie bestimmte Käsesorten oder Weine.
Nachhaltiges Online-Shopping
Wie kannst du als Onlinehändler/-in und/oder Verkäufer/-in Shopping nachhaltiger gestalten? Es fängt mit Offenheit an.
Transparenz gegenüber Herstellungsprozessen-Kein Greenwashing
Gib klar und deutlich an, wie du deine Produkte herstellst und / oder verpackst. Sei offen darüber, nicht nur auf deiner Website oder E-Shop. Hier kontinuierlich im gesamten Business zu sein ist wichtig. Dies auf allen Channels und in jedem Bereich, auch im Marketing.
Lokaler Verkauf gegenüber globalem Verkauf/ kurze Transportwege
Auch wenn internationaler E-Commerce dir sicherlich mehr Kunden/Kundinnen und Erfolg bringt, ist es ohne Frage umweltfreundlicher innerhalb des Landes oder nur in die Nachbarländer zu liefern und somit Transportwege zu verkürzen. Biete einen Abholservice an, wo deine Kunden/Kundinnen das Bestellte selbst abholen können. Somit können Menschen direkt mitwirken.
Tipp: Mit Webnodes E-Commerce kannst du auch ins Nachbarland und in mehreren Währungen verkaufen.
Käufer/-innen mitwirken lassen
Lasse deine Kunden/Kundinnen teilhaben. Dies kannst du mit folgenden Maßnahmen:
- Kompensation von Co₂-Emissionen beim Kauf
- Druckmaterialien verringern und Rechnungen per PDF senden
- Retourenschein nur als PDF zur Verfügung stellen
- Mindestbestellmenge festlegen, damit sich die Lieferung lohnt
Wie kannst du deine Produkte nachhaltig verpacken?
Wenn dein Produkt nicht leicht durch Transport beschädigt werden kann, wähle Papier und Stoffe, wie es Puma tut. Solltest du zerbrechliches versenden, so eignet sich sogenannter Paperfoam. Sogar Clincqout Campagner Flaschen werden darin versendet.
Pluumo verpackt Milch- und Fleischprodukte in Federn. Landpack versteckt Produkte im Stroh. Preisverdächtige Verpackungen aus Algen von Notpla sind dazu gemacht einfach zu verschwinden, in deinem Bauch oder als Kompost. Und, wer lange Sitzungen plant wird sich über Whogivesacrap freuen, das plastikfreies recyceltes Toilettenpapier liefert.
Die Entwicklungen sind inspirierend, doch was kannst du machen, um deine Ware umweltschonender einzuwickeln?
Ersetze zum Beispiel folgendes:
- Luftblasenfolie durch Polstermatten aus Wellpappe
- Verpackungen für Obst und Gemüse oder Käse durch Folie aus recyceltem Plastik oder gewachsten Tüchern
- Kräuter und kleines Gemüse direkt im Tontopf oder Packbehälter verkaufen, anstelle von Plastiktöpfen und Verpackungen
- Servierten, Tücher oder Handtücher aus Papier und Baumwolle, um Dinge zu verpacken, die sonst etwas extra Polster brauchen.
Klar, wird das Produkt durch die alternativen Verpackungsmaterialien teurer, doch wenn diese Teil des Angebots werden und dein Produkt ergänzen, werten sie es auf, wie zum Beispiel Stoffservierten und Service-Set oder ein Stoffsäckchen für Kopfhörer. Im Beitrag zu selbstgemachten Lebensmitteln, gehen schlagen wir weitere Verpackungsoptionen vor.
Du hast jetzt einen Überblick was in Sachen Verpackung-und Verpackungentsorgung in den folgenden 5-10 Jahren in Europa passieren wird. Sicherlich stehen uns in der Zukunft noch weitere Änderungen bevor.
Checkliste für 2026
Fürs folgenden Jahr empfehlen wir dieser kurzen Liste zu folgen:
- EPR-Nummer beantragen
- Komplizierte Verpackungen, die aus mehreren Materialien bestehen vermeiden
- <50% Luftraumregelung beachten
- Nachhaltige und alternative Verpackungen aktiv nutzen
Mit diesen wichtigsten Schritten für 2026 hältst du die PPWR ein.
Solltest du noch keinen Online-Shop nutzen, teste diesen bei Webnode gratis!